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NOWHERE
Buchpräsentation mit Leon Kirchlechner

IST DORT ETWAS ? ODER NICHTS ?

Horizontlos verweigern sie den Ausblick. Der suchende, abschweifende Blick kommt in Leon Kirchlechners Bildern zum Stillstand. Das Sehen verlangsamt sich, aber es kommt nicht zur Ruhe. Es ist keine kontemplative, es ist eine ruhelose Stille. Der begrenzte Ausschnitt führt den Blick eng. Er macht den Raum seltsam ortlos, verweigert die geographischen Koordinaten, in denen ich mich sicher fühlen könnte. Und so bleibe auch ich als Betrachter ortlos in den meist mittig, oft symmetrisch komponierten Bildern. Ich kann mit dieser Mitte nichts anfangen. Auch sie ist nicht beruhigend. Sie lässt mich zwar innehalten. Ohne mir Halt zu geben. Es ist nicht dieses genießende Einhalten, das man so manchem Kunstwerk entgegenbringt. Eher ein beklemmendes, engendes, also ängstigendes.

"Ich war sofort von diesem Anblick fasziniert.", so Leon Kirchlechner. "Im kalten nackten Boden öffnete sich völlig unvermittelt und zusammenhangslos ein tiefschwarzes Loch. Es schien das Licht zu verschlucken. Das strukturlose, fast flächig erscheinende Schwarz war trügerisch. Die Vorstellung hineinzufallen, ließ mich schaudern. Wie tief ist es? Was befindet sich darin? Ist dort etwas? Oder nichts? Ich erwartete etwas. Ich ahnte etwas. Ich wusste, das nichts geschehen würde und doch war ich wie hypnotisiert. Erfüllt von phantastischem Grusel stand ich still - und betrachtete, was ich nicht sehen konnte."

Diese Erfahrung hat sich seinen Bildern eingeschrieben. Das Ungewisse, das diese so scheinbar unscheinbaren existenziellen Erschütterungen in uns auslöst. Dass das, was man sieht, nicht das ist, was man spürt. Nämlich das, was im Bild gar nicht anwesend ist. Dessen Abwesenheit aber mich gerade erfasst. Das eigentliche Fotomotiv (der Grund, die Bewegung, der Beweggrund) liegt außerhalb des Bildes. "Die Abwesenheit des abgebildeten Subjekts ist nichts anderes als eine intensive, in sich zurückweichende, in ihrer Intensität sich versammelnde Präsenz", schreibt Jean-Luc Nancy. In Leon Kirchlechners Bildern wird dies ganz grundsätzlich verhandelt.

Das Wesen des Bildes ist das Abwesende.

Prof. Ulrich Fleischmann


Buchpräsentation am Donnerstag, den 6. Juni 2013, 19.00 Uhr



BUCH:
30 x 22 cm
64 Seiten Auflage: 800 | nummeriert
Hardcover | Leineneinband
individuell von Hand bearbeitet



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